Statements

Branchenforum Fenster + Fassade 2012

Expertenstatements

»Energetische Sanierung des Gebäudebestands ist der zentrale Schlüssel«

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Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser
Institutsleiter Fraunhofer Institut für Bauphysik Professor für Bauphysik TU München

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Dipl.-Ing. Architekt Dietmar Walberg
Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V.

Der Gebäudebestand muss vor allem unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit saniert werden: Der aus bauphysikalischer und wirtschaftlicher Sicht richtige U-Wert ist entscheidend – nicht der niedrigste! Deshalb macht es keinen Sinn, Häuser aus den Baujahren der 60er und 70er Jahre nach dem modernsten Stand der Technik zu sanieren, wenn die Wirtschaftlichkeit dabei vernachlässigt wird. Gerade im Gebäudebestand ist die Wirtschaftlichkeit die Grundvoraussetzung für Investitionen. Wenn wir unsere Klimaprobleme lösen wollen, müssen wir im Gebäudesektor anfangen und in dem Bereich spielen Fenster eine ganz zentrale Rolle.

Anhand der nebenstehenden Grafik wird deutlich, wie hoch der Kostenaufwand für eine Sanierung und die damit einhergehende Energieeinsparung ist. Ausgehend von einem Gebäudebestand mit Niveau unter EnEV2009 kann mit einem Sanierungsaufwand von rund 140 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche eine Energieeinsparung von 40kWh/m2a erreicht werden. Wirtschaftlich rentabel sind Teil-/Sanierungsmaßnahmen im grün skizzierten Bereich bis E115 Niveau. Ab einer Maßnahme von E100, E85 und E70, was letztlich einer Sanierung auf Neubau-Niveau der EnEV oder besser entspricht, macht eine Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht weniger Sinn. So nehmen die Modernisierungskosten überproportional zu und gleichzeitig die Energieeinsparung dementsprechend ab, siehe Kurvenabschluss.

Ergo: Bewege lieber viele Hauseigentümer zu einer wirtschaftlich rentablen Teilsanierung, als nur einzelne Hauseigentümer zu einer oftmals nicht rentablen Vollsanierung.


Energetische Sanierung des Gebäudebestands ist der zentrale Schlüssel

Offener Brief an die Bundeskanzlerin,
München, 17. Oktober 2011

Offener Brief der Ständigen Konferenz der Hochschullehrer des Fachgebietes Bauphysik an europäischen Universitäten und der Ständigen Konferenz der Hochschullehrer der Fachgebiete Technischer Ausbau der Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen Deutschlands:

Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser, et. al, Technische Universität München, Lehrstuhl für Bauphysik

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,br die Mitglieder der Ständigen Konferenzen der Hochschullehrer Bauphysik und Technischer Ausbau sind für die Ausbildung der für Energiefragen im Gebäudebereich zuständigen Architekten und Ingenieure verantwortlich und verfügen über eine hohe Kompetenz im Bereich Energie im Gebäudesektor.

Im Energiekonzept der Bundesregierung für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung vom 28. September 2010 heißt es zutreffender „Die Szenarien belegen, die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist der zentrale Schlüssel zur Modernisierung der Energieversorgung und zum Erreichen der Klimaschutzziele.“ Ohne den Gebäudesektor und insbesondere ohne eine intensive Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebestand ist die Energiewende in Deutschland nicht realisierbar.

Die umfangreichen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz des Neubaus und insbesondere des Bestands sollen gemäß Energiekonzept über ein ausgewogenes Verhältnis von Fordern und Fördern erfolgen. Diese Ausgewogenheit ist uneingeschränkt zu unterstützen, wird nun aber von der Bundesregierung selbst nicht umgesetzt. Das neben der Verstetigung der Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm vorgesehene Modell der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten, das schon in den neunziger Jahren sehr erfolgreich war, wurde selbst in der unzulänglichen Form – nur Komplettsanierungen sollen förderfähig sein – vom Bundesrat abgelehnt und die Gespräche im Vermittlungsausschuss laufen halbherzig.

Die Mitglieder der Ständigen Konferenzen der Hochschullehrer Bauphysik und Technischer Ausbau bitten dringend, einen Weg für eine zeitnahe Umsetzung dieses Förderelements auszuloten und die Förderung auch von Teilsanierungen in den Förderkatalog aufzunehmen. Nur so ist die Energiewende zu realisieren.